Postkoloniale Kritk an „Occupy Wall Street“

Der „Occupy Wall Street“-Protest, der jüngst auch in Frankfurt adaptiert worden ist, wird in den USA und Kanada mit postkolonialer Kritk konfrontiert. Kritker_innen zufolge werden die „Occupy“-Aktionen entgegen ihrer Selbstinszenierung als „Protest der 99%“ größtenteils von weißen Männern getragen (spöttischen Beobachter_innen zufolge zu 99%), und bislang sind auch ausschließlich Weiße als Sprecher_innen in Erscheinung getreten. Außerdem ignoriert die Forderung, symbolträchtige Orte der Finanzwirtschaft zu „okkupieren“, dass viele bereits okkupiert worden sind – so befindet sich etwa die New Yorker „Wall Street“ auf einem Gebiet, das vor der Kolonisierung von Haudenosaunee und Algonquian bewohnt wurde. Weitere Kritik aus postkolonialer Perspektive zu Organisatonspraxis und Sprache der „Occupy“-Proteste fnden sich u. a. hier:

http://www.racialicious.com/2011/10/03/so-real-it-hurts-notes-on-occupy-wall-street/

http://www.racialicious.com/2011/10/11/decolonizaton-and-occupy-wall-street/

http://rabble.ca/news/2011/10/acknowledgement-occupatons-occupied-land-essental

http://mzzainal-straten.blogspot.com/2011/09/open-leter-to-occupy-wall-street.html

Newsletter Oktober

Liebe Interessierte,
unser Newsletter #2, der euch über unsere nächsten Aktivitäten sowie weitere politische, kulturelle, wissenschaftliche u.a. Veranstaltungen im postkolonialen Kontext informiert, ist online.
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Sperrengeschoß Kolumbusplatz

Kurzfilme zu postkolonialen Verhältnissen

Sperrengeschoß Kolumbusplatz: Filme zu Postkolonialen Verhältnissen

Flyer als pdf

 

12. Oktober 2011 // 18.30 – 20.30 // Sperrengeschoß Kolumbusplatz // München anlässlich des 519. Jahrestags der sogenannten Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus Kurzfilme zu (post)kolonialen Verhältnissen

Eine Veranstaltung von lmd: la mirada distinta <<www.oeku-buero.de>> und [muc] münchen postkolonial <<www.muc.postkolonial.net>> // im Rahmen der Reihe lmd: la mirada distinta // Ökumenisches Büro e.V. // gefördert vom Kulturreferat der LH München und vom BMZ

Postkolonial“ – was soll das denn jetzt schon wieder?

Wer unsere Zeit als „postkolonial“ bezeichnet, spricht gleichzeitig von Vergangenheit und Gegenwart. Mit dem Begriff „postkolonial“ kommen die Voraussetzungen der gegenwärtigen Globalisierung und ihre wirtschaftliche und kulturelle Vorgeschichte zur Sprache. Die Bezeichnung „postkolonial“ verweist auf die Nachwirkungen kolonialer Beziehungen, ohne zu behaupten, wir lebten nach wie vor in einem kolonialen Zeitalter. Das Wort „post“ bedeutet also nicht, dass etwas überwunden und hinter sich gelassen worden ist, sondern dass die koloniale Geschichte sich immer noch in der Gegenwart spiegelt.

Aha, und was hat das überhaupt mit mir zu tun?

Bis heute prägt die koloniale Vergangenheit unser Alltagsleben, unser Denken und unseren Blick auf die Welt. Die postkoloniale Gegenwart ist eine Gegenwart der Migrationen: Es ist die Gegenwart der Wanderarbeiter und Flüchtlinge, die in den Zentren wirtschaftlichen Wohlstands nach besseren Lebensmöglichkeiten suchen. Es ist der Versuch, sich die Versprechen der Freiheit zu nehmen: das Versprechen des Wohlstands durch Arbeit, das Versprechen der Gleichheit und die Behauptung, Rassismus überwunden zu haben und ihn nur noch als historisches Überbleibsel einer vergangenen Zeit zu sehen. Sie müssen die Erfahrung machen, dass diese Versprechen nicht für alle gleichermaßen gelten und letztlich nicht so universal gemeint sind, wie sie verkündet werden.

Na schön, aber warum das alles am Kolumbusplatz?

Wir wollen (post-) koloniale Verhältnisse, Personen und Strukturen sichtbar machen. Dabei geht es uns um ökonomische Ausbeutung, Rassismus und eine exotische Verklärung bzw. Vermarktung des sogenannten „Fremden“. Wir werfen einen Blick auf die alltäglichen und institutionellen Beteiligungen am (post-) kolonialen Geschehen und deren Verortungen in der Stadt München (Straßennamen, historische Orte, aktuelle Migrationspolitiken).

 

Postkolonialer Stadtplan von München

Wir haben in Kooperation mit dem Grafiker Matthias Weinzierl, der Zeitschrift Hinterland und dem oeku-buero einen postkolonialen Stadtplan von München erstellt. Das Poster (mit einer chicen “Afrika Afrika”-Parodie auf der Rückseite) kann für 2€/Stadtplan + Portokosten bei uns (muc [at] postkolonial.net) bestellt werden.
ausgehängt im Sperrengeschoß Kolumbusplatz

hier hängt er während einer Veranstaltung im Sperrengeschoß am Kolumbusplatz

Gegen die Abschiebung von Yahye Adan Dualle

Ein Aufruf der Stadtteilinitiative Koblenzer Straße:

Yahye ist noch nicht 13, als er vor der Rekrutierungsbehörde der somalischen Armee flüchtet.
Seine Tante bezahlt einen Schlepper, der ihn bis nach Russland bringt. Dort wird er in einen Lastwagen nach Holland gesetzt, doch seine Reise endet in Polen, wo er Asyl beantragt.
Yahye ist ein Ausnahmetalent als Songwriter und Rapper/Sänger. Rasch beginnt er ein Netzwerk aufzubauen und Produzenten werden auf ihn aufmerksam. So gerät er ins Visier einer Rechten Szene. Nazis bedrohen ihn und legen ihm Nahe, “keine Black-Music in Polen” zu verbreiten. Als Yahye sich hilfesuchend an seine Produzenten wendet, distanzieren diese sich von ihm. Er fühlt sich nicht mehr sicher und flieht nach Deutschland, muss all seine Musik, seine Arbeit und Habe dort zurücklassen.
In Frankfurt findet er Menschen, die sich für ihn einsetzen und ihm die Stadt näher bringen. Ein Angebot, das er ohne zu zögern aufgreift. Schnell lernt er hier die unterschiedlichsten Menschen und Initiativen kennen und begeistert alle durch seine Offenheit, seine Freundlichkeit und sein Talent.
Seit fast einem Jahr arbeitet er unter dem Namen „Young Nino“ zusammen mit Musikern und Produzenten im Musikstudio der Stadtteilinitiative Koblenzer Straße e.V. an seiner Musik und thematisiert darin u.a. seinen Weg nach Frankfurt. Das neuste Lied von ihm heißt „City of success“ und ist eine Hommage an die Stadt Frankfurt, in der Yahye sich seit langem endlich mal wieder sicher und Zuhause fühlt. Das Lied und einige weitere werden beim 7. Straßenfest der SIKS e.V. am 13.8.2011 erstmals aufgeführt und auch das neue Musikvideo zu seinem Frankfurt Song soll an diesem Tag gezeigt werden.
Es ist verblüffend, wie jemand, der materielle Armut, Bürgerkriegszustände, Neonaziterror, Flucht und kreative Frustration in seinen jungen Jahren erlebt hat, trotzdem zu keinem Zeitpunkt sein Ziel aus den Augen verliert und Track für Track gegen Hass andichtet, Beziehungen stiftet und zwischen den Kulturen vermittelt. Er ist eine künstlerische und soziale Inspiration für viele Leute.
Nun droht ihm die Abschiebung in den so genannten sicheren Drittstaat Polen, den er mehr fürchtet als sein Herkunftsland Somalia, in dem sich zurzeit die größte Hungerskatastrophe seit 60 Jahren abzeichnet.
Wir brauchen Yahye hier. Nicht weil er es mehr verdient hat zu bleiben als andere, sondern weil er die feste Absicht hat, diese Stadt zu Gunsten der Menschen, die in ihr leben, mitzugestalten.
Es kann einfach nicht sein, dass ein junger Mensch, der nach einem langen Weg endlich angekommen zu sein schien, nun alleine in eine ungewisse, ja lebensbedrohliche Zukunft geschickt werden soll!

Unterschriftenaktion für Yahye!!!
Bitte das PDF ausdrucken unterschreiben lassen und an uns schicken.
-> PDF

Stadtteilinitiative Koblenzer Straße e.V.
Koblenzer Straße 9
60327 Frankfurt am Main

Pressespiegel:

Frankfurter Rundschau vom 15. August 2011

Frankfurter Neue Presse vom 15. August 2011

Newsletter August

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Münchner Kolonialkunst. Der Bildhauer Fritz Behn

von Joachim Zeller

Fritz Behn: Löwin (Anfang 1920er Jahre). Die Bronzeplastik steht vor der Tierärztlichen Fakultät in München. (Foto: Katharina Ruhland)

Fritz Behn: Löwin (Anfang 1920er Jahre). Die Bronzeplastik steht vor der Tierärztlichen Fakultät in München. (Foto: Katharina Ruhland)

 

Gut gebrüllt, denkt sich der Betrachter beim Anblick der Löwin, die vor der Tierärztlichen Fakultät in der Veterinärstr. 13 steht. Die wuchtige Bronzeplastik stammt von dem über viele Jahrzehnte in München ansässigen Bildhauer Fritz Behn. Die bayerische Metropole beherbergt weitere Werke des Künstlers, so im Tierpark Hellabrunn, wo ebenfalls eine Löwenfigur steht. In der Städtischen Galerie im Lenbachhaus werden die Kleinplastiken eines „Afrikaners“ und eines „Massai“ gezeigt.1
Wer war dieser Künstler und was hat er mit der deutschen Kolonialgeschichte zu tun? Fritz Behn (1878 in Klein Grabow, Mecklenburg-Vorpommern – 1970 in München) gehört zu den profiliertesten deutschen Tierbildhauern des 20. Jahrhunderts.2 Schon im Alter von 31 Jahren war er vom bayerischen Prinzregenten Luitpold zum damals jüngsten Professor Bayerns ernannt worden. Die Tierwelt Afrikas stand zeitlebens im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Auf drei ausgedehnten, in den Jahren 1907/08, 1909/10 und 1931/32 unternommenen Reisen durch Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) und Britisch-Ostafrika (heute Kenia) studierte er ausgiebig die afrikanische Tierwelt. Weiter

 

Weg mit dem Abschiebeknast! – Demo und Festival am 3.9.2011 in Ingelheim (bei Mainz)

IngelheimDemo
frankfurt_postkolonial unterstützt den Aufruf zur Demonstration “Weg mit dem Abschiebeknast!” vor dem Ingelheimer Abschiebeknast. Hier der besagte Aufruf:

Wir, das Aktionsbündnis „Abschiebehaft abschaffen!“ rufen auf zu einer Demonstration gegen das Abschiebegefängnis in Ingelheim am Samstag, den 3. September 2011 und im Anschluss daran zu einem antirassistischen Festival vor den Mauern des Knastes.

„INTEGRATION“ – IN BETON GEGOSSEN

Seit 2001 existiert der Ingelheimer Abschiebeknast, in dem Flüchtlinge eingesperrt werden, die abgeschoben werden sollen, um zu verhindern, dass sie untertauchen und um sie psychisch zu zermürben. Erfolgt eine Abschiebung nicht direkt – etwa, weil wichtige Papiere fehlen – werden die Flüchtlinge in solchen Anstalten bis zu 18 Monaten inhaftiert.

Beim Ingelheimer Abschiebegefängnis handelt es sich um einen Hochsicherheitstrakt. Das heißt, die Gefangenen werden wie Schwerkriminelle behandelt. Dadurch soll nach außen der Eindruck vermittelt werden, diese Menschen seien gefährlich. Den Gefangenen gegenüber dient die Abschiebehaft der Repression und Abschreckung. Die Inhaftierten sind in kleinen Zellen untergebracht und haben am Tag nur eine Stunde lang die Möglichkeit, sich im Innenhof des Gefängnisses aufzuhalten. Nachdem sie unter Einsatz ihres Lebens Europa erreicht haben, werden sie hier nicht etwa unterstützt, sondern isoliert, ausgegrenzt und zurückgewiesen. Aufgrund der drohenden Abschiebung gibt es praktisch monatlich bundesweit zahlreiche Suizidversuche und Suizide in Abschiebegefängnissen!

Die Abschiebung ist das repressivste Instrument gegen Flüchtlinge und andere Migrant/innen. Sie soll Menschen, die auf einer gefährlichen Flucht ihr Leben riskierten, um hier Schutz oder schlicht ein besseres Leben zu finden, zeigen: „Ihr seid hier nicht erwünscht“.

ABSCHIEBEHAFT ABSCHAFFEN!

Die staatliche Bekämpfung hilfesuchender Menschen, die mit den Abschiebeknästen ihre stärkste Ausprägung findet, muss ein Ende haben! Schluss mit dem Rassismus!

Wir fordern die ersatzlose Schließung des Abschiebegefängnisses. Die Inhaftierten sollen freigelassen werden! Sie sollen ein Leben in Würde und Freiheit führen können und auf keinen Fall in einer JVA oder einem anderen Gefängnis eingesperrt werden!

Mit der Schließung des Trierer „Ausreisezentrums“ (einer Abschiebeeinrichtung für Flüchtlinge, deren Identität als ungeklärt gilt), ist ein erster wichtiger Schritt getan. Als nächstes muss der Abschiebeknast fallen. Wir rufen euch daher alle dazu auf, unser Anliegen tatkräftig zu unterstützen und euch am 3. September an unserer Demo gegen den Knast zu beteiligen.

Wir setzen uns ein für eine solidarische Gesellschaft, in der Platz ist für alle Menschen. Globale Bewegungsfreiheit, ein selbstbestimmtes Leben, freie Teilhabe an allen Lebensbereichen und gleiche Rechte für alle sind unsere Perspektive!

Antirassistisches Festival vor den Mauern des Abschiebeknastes

Im Anschluss an die Demo findet ein Festival mit dem Musiker und Aktivisten Heinz Ratz und zahlreichen anderen Künstlerinnen und Künstlern in Ingelheim statt. Auch dazu möchten wir euch herzlich einladen. Heinz Ratz hat sich auf seiner Tour der 1000 Brücken immer wieder für die Rechte von Flüchtlingen eingesetzt und vor Knästen und Flüchtlingslagern gegen ihre Ausgrenzung gespielt.

Lasst uns auch der neuen Landesregierung zeigen, dass wir die Menschen im Knast nicht allein lassen und uns für ihre Freiheit einsetzen! Lasst uns unsere Solidarität mit ihnen zeigen!

Initiative Christy Schwundbeck – Demonstration am Hbf

Wir unterstützen mit vielen anderen Initiativen und Vereinen die Demonstration und Kundgebung im Gedenken an Christy Schwundeck am Samstag, 18.06.2011.

14:00 Frankfurt Hauptbahnhof /16:00 Kundgebung Hauptwache/Goetheplatz

Christy Schwundeck wurde am 19. Mai 2011 in einem Frankfurter Jobcenter (Gallus) von einer Polizistin erschossen. Die Umstände rufen Erinnerungen wach an das Schicksal Mariame N’Deye Sarr, die im Jahr 2000 ebenfalls unter nie endgültig geklärten Umständen von einem Polizeibeamten erschossen wurde. Christy Schwundeck war 39 Jahre alt und stammte aus Nigeria.
Tödliche Fälle von Polizeigewalt gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund sind leider keine Seltenheit in Deutschland.

Wir fordern: Aufklärung, Gerechtigkeit, Entschädigung!

Mehr Informationen auf der Seite der Initiative Christy Schwundek.

Homestory Deutschland: Gelebt – Erlebte Schwarze Deutsche Geschichte(n)

Veranstaltung der Senegalesische Vereinigung im Lande Hessen e.V:

Am Samstag, 21.5.2011 um 19:30 Uhr, findet im Titusforum in der Frankfurter Nordweststadt eine spannende künstlerische Veranstaltung statt, die neue Perspektiven auf das Leben, Überleben und Erlebtes Schwarzer Menschen in der Diaspora vermittelt. Die szenische Multimedia-Lesung „Homestory Deutschland: Gelebte – Erlebte Schwarze Deutsche Geschichte(n)“ von ManuEla Ritz und Sharon Dodua Otoo setzt sich mit Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und Alltagserfahrungen Schwarzer Menschen in Deutschland auseinander. Ausgangspunkt dazu ist ein fiktiver Dialog zwischen fünf historischen Persönlichkeiten mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten, die in einem zeitlosen Raum aufeinander treffen und ihre Geschichten teilen.

Die historischen Personen:

  • Anton Wilhelm Amo, geb. 1713 wurde im Kindesalter als Sklave nach Deutschland verschleppt und ging als der erste Schwarze Philosophieprofessor an deutschen Universitäten in die Geschichte ein,
  • Henriette Alexander, geb. 1817 verdingte sich als Kindermädchen,
  • Billy Mo, geb. 1923, erregte durch die Interpretation deutscher Schlager in Radio und TV Aufsehen,
  • Fasia Jansen, geb. 1929, widmete ihr Leben dem politischen Widerstand,
  • May Ayim, geb. 1960, wurde als Poetin und Aktivistin zu einer wichtigen Identifikationsfigur vieler Schwarzer Deutscher

21:30 Abschlusskonzert mit Ismael Seck und Afrojanbi

AFROJANT! ist eine hochkarätig besetzte afrikanische Percussiongruppe unter der Leitung von Ismael Seck.

Ort und Termin:
Samstag, 21.05.2011, 19.30 Uhr
Saalbau Titusforum
Walter-Möller-Platz 2, 60439 Frankfurt

Mehr Infos:
http://homestorydeutschland.blogspot.com/

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