Hinterland-Magazin: Diesseits von Afrika

Diesmal mit zwei Beiträgen von [muc]

Ein Platz an der Sonne
Deutsche Kolonien – eine vergessene Geschichte?
von Katharina Ruhland

Mapping postkolonial Positions
Spuren kolonialer Geschichte in München
von Zara Pfeiffer und Philip Zölls

Broschüre “Münchens Kolonialviertel”

Das nordsuedforum hat eine Broschüre zu “Münchens Kolonialviertel” fertiggestellt
In der Broschüre geht es um die Deutsche Kolonialgeschichte und die Auseinandersetzung um Münchner Straßennamen.

Bestellt werden kann die Broschüre unter bestellung(at)nordsuedforum.de
Download der Broschüre
(960 kB)
Es ist eine Reise in die deutsche Vergangenheit, ein Blick auf den immer noch vorhandenen Kolonialismus in den Köpfen so mancher Münchnerinnen und Münchner und ein aufschlussreiches Lehrstück über den Umgang der Politik mit einem brisanten Thema.
Im Juni 2003 beantragte der Stadtrat Siegfried Benker für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen /Rosa Liste die Entkolonialisierung der Münchner Straßennamen und stieß damit eine Debatte an, die sich über sechs Jahre lang hinziehen sollte und allerhand kolonialistisches Gedankengut zutage förderte.
Gerade im Rahmen unserer EineWelt-Arbeit, bei der wir uns für weltweite Solidarität und Gerechtigkeit und gegen Rassismus einsetzen, ist uns die Bewusstseinsbildung zu diesem Thema ein besonderes Anliegen.

Stellungnahme zum “Blackface”-Plakat von BA-HU Elferrat e.V.

In Leipzig hat der studentische Verein Faschingsverein mit dem Namen “BA-HU Elferrat e.V.” für eine seiner Veranstaltungen mit einem Plakat beworben, dass mal wieder zeigt, wie sehr Rassismen tagtäglich in unserer Gesellschaft (re-)produziert werden. frankfurt-postkolonial hat folgende Stellungnahme mitunterzeichnet – wir schließen uns dabei ausdrücklich der Forderung nach einer Distanzierung mit einer einhergehenden Selbstreflexion an!

Im Folgenden die Stellungnahme im Wortlaut:

***

Kolonialismus war nicht nur ein Unternehmen von Staatsmännern, und Kolonialismus hinterließ seine Spuren nicht nur „in Übersee“. Kolonialismus prägte auch Alltag und Kultur in Europa und Deutschland selbst auf wesentliche Weise. Leipzig war davon keineswegs ausgenommen: In Leipziger Buchhandlungen und Stadtbibliotheken wurden koloniale Romane von BürgerInnen wie ArbeiterInnen gleichermaßen nachgefragt; Kaffee, Kakao und Gewürze aus den Kolonien ließen LeipzigerInnen in Kolonialwarenläden und Caféhäuser einkehren – der Elefantenkopf an der Fassade des Riquet Café bezeugt diese Verbindung bis heute; und sogenannte Völkerschauen, in denen BewohnerInnen der Kolonien zur Schau gestellt wurden, waren um 1900 so erfolgreich und lukrativ, dass der Leipziger Zoo es sich leistete, für deren Darbietung eine eigene Bühne bauen zu lassen. Bis 1931 fanden dort etwa 40 solcher Darbietungen statt.
Dies sind nur einige der unzähligen Beispiele dafür, wie stark deutscher Alltag, deutsche Populärkultur und damit die deutsche Gesellschaft von Kolonialismus durchdrungen war. Diese Popkultur war keineswegs unschuldig: Sie war verknüpft mit dem kolonialen Projekt der wirtschaftlichen und politischen Ausbeutung. Kein Wunder also, dass die Ausstattung von Caféhäusern, der Plot von Kolonialromanen sowie Völkerschauen Bilder transportierten, die das koloniale Projekt stützten: Ein Elefantenkopf und in Holz geschlagene schwarze Diener, die eintretende Gäste begrüßen; Geschichten von undurchdringlicher, finsterer Wildnis, Menschenfressern und weißen Helden; Spektakel mit Tänzen und Trommeln – diese Bilder erfanden „den unzivilisierten Schwarzen“ und „den zivilisierten Weißen“. Sie lehrten die deutsche Gesellschaft, dass „der Schwarze“ verfügbar sei: als Arbeitskraft und als Objekt, das schamlos angeglotzt, angefasst und belacht werden dürfe.

Diese Lektion und diese Bilder haben bis heute überlebt: Konsumgüter-, Tourismus- und Showindustrie schöpfen aus ihnen, wenn sie mit „Mohren“ werben und in exotisierende Spektakel wie Afrika! Afrika! locken, Weiße erproben das Gelernte beim Griff in die Haare Schwarzer Menschen, und der studentische Faschingsverein BA-HU Elferrat der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) bewirbt eine Karnevalsfeier mit einem Plakat, das einen über das ganze Gesicht grinsenden „geschwärzten“ Weißen zeigt, ein Plakat, das Weißen verspricht, es würde eine grandiose Party, nämlich genauso flippig, ausgelassen und schamlos gefeiert wie vermeintlich bei Schwarzen: Einmal im Leben Schwarz sein, lustig und ungehemmt, auch als Weißer – wie abgefahren!

Das ist rassistisch. Es ist rassistisch, weil das Plakat auf Stereotype zurückgreift, die von Weißen geschaffen wurden, um Schwarze als einfältig herabzuwürdigen und auf diese Weise eine weiße Identität als rational und überlegen zu erfinden. Das Plakat ist rassistisch, weil es Schwarze entmenschlicht, nämlich aus ihnen Figuren macht, über die Weiße jederzeit verfügen können, um sich und andere Weiße zu bespaßen.
Rassismus ist kein Problem allein von Neonazis. Darauf weisen unzählige WissenschaftlerInnen und politische Initiativen hin – und das keineswegs mit erhobenem Zeigefinger gegen vermeintlich Falschdenkende, sondern aus der selbstkritischen Einsicht heraus, dass Rassismus die Gesellschaft, in der wir leben, durchdringt und damit alle in ihr lebenden Menschen, uns alle, prägt. Eine Einsicht, die nicht nur, aber in ganz besonderem Maße Weiße Menschen dazu einlädt, darüber nachzudenken, warum sie so vehement einfordern, sich auf Kosten von People of Color amüsieren zu dürfen und warum sie so vehement verweigern, in diesem ihrem Spaß von Personen gebremst zu werden, die sich durch diesen Spaß diskriminiert fühlen.

Wir Unterzeichnende arbeiten auf unterschiedliche Weise daran, das Nachwirken kolonialer Bilder insbesondere in Alltagsrassismus deutlich zu machen. Als Weiße und People of Color, als Deutsche und Nicht-Deutsche, die gemeinsam gegen Rassismus kämpfen,
* unterstützen wir den Protest gegen das „Blackface“-Plakat des BA-HU Elferrats,
* fordern wir den BA-HU Elferrat zu einer öffentlichen, selbstkritischen Distanzierung von diesem Plakat (z.B. auf seiner Homepage) auf.

AG postkolonial im Engagierte Wissenschaft e.V., Leipzig

AfricAvenir International e.V., Berlin
AfrikanistikForum am Institut für Afrikanistik der Universität Leipzig
berlin postkolonial e.V.
Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR) im Engagierte Wissenschaft e.V., Leipzig
frankfurt-postkolonial
freiburg-postkolonial.de
ISD-Bund e.V. (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland)
Kolonialismus im Kasten?, Berlin/Leipzig
KopfWelten – gegen Rassismus und Intoleranz e.V. / Köln Postkolonial

PS: Wir weisen darauf hin, dass diese Stellungnahme öffentlich erfolgt, und dass wir dieses Schreiben wie auch Ihre eventuelle Antwort zu Zwecken der Dokumentation, Lehre und Aufklärung veröffentlichen werden.

Postkoloniale Perspektiven auf Migration und Entwicklung

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. María do Mar Castro Varela
Postkoloniale Perspektiven auf Migration und Entwicklung
2. Dezember 2010 | Eine-Welt-Haus München | Weltraum Souterrain |

Schwanthalerstr. 80 | Beginn 19.30 Uhr | Eintritt 2/3 Euro (nach Selbsteinschätzung)
grenzposten >> oeku-buero münchen | [muc] münchen postkolonial

Es sind die anderen, die migrieren, die anderen, die sich entwickeln müssen und natürlich auch die anderen, die sich zu integrieren haben. Aber wer sind eigentlich diese anderen oder besser, wie werden sie zu den anderen gemacht? Und wer bestimmt die Normen und Regeln, nach denen diese sich dann zu „integrieren“ und zu „entwickeln“ haben? Die Frage, wer dazugehört und wer nicht, die Frage, wer Teil einer Bevölkerung ist und entlang welcher Normen und Herrschaftsmechanismen der Ein- und/oder Ausschluss von Menschen verläuft ist nicht nur in den aktuellen Auseinandersetzungen um Migration und Integration zentral, sondern auch eine zentrale Frage postkolonialer Theorie. Rassismus als konstitutives Element für die Schaffung einer Bevölkerung wird in hier ebenso in den Blick genommen wie die Disziplinierungs- und Normalisierungsprozesse über die Bevölkerungen regiert werden. Die Frage „Wer gehört zur Bevölkerung?“ ist deshalb unserer Meinung nach nicht nur eine analytische, sondern auch und vor allem eine politische, die auch andere politische Auseinandersetzungen, wie beispielsweise antirassistische Praxen oder die Forderungen nach Bewegungsfreiheit und gleichen Rechten für alle, in den Blick nimmt.

Prof. Dr. María do Mar Castro Varela ist Diplompsychologin, Diplompädagogin und promovierte Politologin. Seit 2007 ist sie Professorin an der Alice Salomon Fachhochschule in Berlin. Ihre Schwerpunkte sind Rassismus, Gender und Queer Studien sowie Postkoloniale Theorie.

europa postkolonial

Forschungskolloquium am Institut für Volkskunde / Europäische Ethnologie. Blicke auf Räume, Wissen und Wertungen




28.10.10 | 18.00 Uhr c.t., Raum A 213 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)NIKITA DHAWAN (Frankfurt): Mission Impossible? Postcolonial Studies in Germany

25.11.10 | 18.00 Uhr c.t., Raum A 213 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)ENCARNACION GUTIERREZ RODRIGUEZ (Manchester, UK): Coding Value – On Coloniality, Feminization and Creolizing Human Rights

07.12.10 | 18.00 Uhr c.t., Raum A 213 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)MORITZ EGE (München): Afroamerikanophilie: Selbsttechniken zwischen Rassifizierung und Desemantisierung

14.12.10 | 18.00 Uhr c.t., Raum A 213 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)VASSOS ARGYROU (Nicosia, Zypern): The Postcolonial Condition in Cyprus

11.01.11 + 14.01.11 MUC – MÜNCHEN POSTKOLONIAL (München)Stadt postkolonial – Koloniale Spuren in der Münchner Stadtgeschichte11.01.11: Vortrag 18.00 Uhr c.t., Raum A 213 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)

14.01.11: Workshop + City Tour12.00 Uhr c.t., Raum 28 (Ludwigstr. 31)15.00 Uhr c.t.: City Tour

25.01.11 | 18.00 Uhr c.t., Raum A 213 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)FRIEDRICH VON BOSE (Berlin): Displays des Kolonialen. Postkoloniale Perspektiven auf gegenwärtige Ausstellungsformate

08.02.11 | 18.00 Uhr c.t., Raum E 216 (Geschw.-Scholl-Pl. 1)SANDRO MEZZADRA (Bologna, Italien): Postkoloniale Perspektiven auf Europa und die Bewegungen der Migration

Flyer

Casperltheater

In der Hinterland #12 – was ist links? (nachzulesen auf www.hinterland-magazin.de) schrieb Caspar Schmidt im Artikel „Afghanistan den Afghanen“ über die seiner Meinung nach einfältige und bequeme Haltung großer Teile der „Linken“, die sich ganz im Sinne der sowjetischen Mobilisierung mit einfallsloser Imperialismuskritik und Friedensforschung begnügen, anstatt sich endlich von diesem Erbe zu befreien und so den Weg für weniger konforme und vereinfachende Betrachtungsweisen zu ebnen …

Nachdem wir den Beitrag des Debattencaspars „Afghanistan den Afghanen“ gelesen hatten, hätten wir tatsächlich gerne die vom Debattencaspar den vermeintlichen „sowjetischen Mobilisierungsopfern“ vorgeworfene Vogel-Strauss-Taktitk angewandt und unsere Köpfe in den Sand gesteckt. Aber da wir als Gruppe [muc] münchen postkolonial schon einige Artikel in der Hinterland veröffentlicht haben und eigentlich gerne weiterhin dort schreiben würden, schien uns entsetztes und kopfschüttelndes Schweigen eine denkbar schlechte Alternative. Gleichzeitig widerstrebt es uns nach wie vor, eine Auseinandersetzung mit einem Text zu führen, der uns so sehr von Arroganz und Ignoranz geprägt erscheint – für den Autor wohl provozierende Tugenden, in unseren Augen aber schlechte Ausgangsbedingungen für eine Analyse der komplexen Geschichte und Aktualität linker Positionierungen.

Wie also reagiert man auf eine alles andere als fundierte Polemik, die sich selbstgefällig als Generalabrechnung mit einer vermeintlich homogenen Linken der letzten 100 Jahre begreift? Im Folgenden werden wir einige zentrale Punkte des Textes herausgreifen und den dürftigen Argumentationslinien etwas entgegensetzen, anderes bleibt unbeachtet, auch wenn wir mit vielem Weiteren (im Debattencaspar-Text wie auch in der ganzen Hinterland-Ausgabe) nicht einverstanden sind.

Der ganze Artikel als pdf

STADT POSTKOLONIAL

Koloniale Spuren in der Stadtgeschichte

Eine Veranstaltung mit Heiko Wegmann von Freiburg postkolonial und  [muc] münchen postkolonial

Eintritt frei | 16.07.2010 | 20.00 Uhr | Kulturladen Westend| Ligstalzstraße 44 | 80339 München| U-Bahnhaltestelle Schwanthalerhöhe

suedsee insel

Wir, [muc] münchen postkolonial, sind eine Gruppe, die sich mit den Spuren der  Kolonialgeschichte in München beschäftigt.
Nach langer Zeit des Schweigens wird seit etwa 20 Jahren endlich über Kolonialismus und seine verheerenden Folgen vor allem für die ehemaligen Kolonien geforscht und geschrieben. Aber auch die Auswirkungen kolonialer Herrschaft und kolonialer Denkweisen auf die „Metropolen“ werden zunehmend diskutiert.
In einigen Städten haben sich Initiativen gegründet, die sich mit  der Kolonialgeschichte auseinandersetzen und sich zum Ziel gesetzt haben, Spuren und Leerstellen von kolonialem Geschehen und (post-) koloniale Bildwelten in der Stadt heute in das Blickfeld zu rücken.
Eine der ersten dieser Gruppen ist in Freiburg entstanden – Freiburg postkolonial.
Heiko Wegmann von Freiburg postkolonial wird über die Motive, Arbeitsfelder, Erfahrungen und Interventionen dieser Gruppe sprechen. Dann werden wir, [muc], uns und unsere Themenfelder und Aktivitäten in München vorstellen und diskutieren.

Eine Veranstaltung von [muc] münchen postkolonial und dem Kulturladen Westend, gefördert vom Netzwerk München

Seite im Aufbau

Frisch gegründet, müssen wir uns nicht nur thematisch erstmal einlesen und ordnen – auch technisch (“CSS für Dummies”  wäre eventuell eine gute Anschaffung) müssen wir uns weiterbilden.

Wir bitten also einfach noch um ein wenig Geduld bis wir euch hier graphisch und inhaltlich mehr bieten können.

Wenn euch bis dahin langweilig wird, schaut schon mal in die rechts-stehende Spalte. Da sind schon mal Ideen, zu was wir eventuell arbeiten werden.

Wenn ihr interessiert an der Mitarbeit seid – einfach ne Mail mit tabellarischem Lebenslauf, Photo und Führungszeugnis (geht notfalls auch ohne all das) an … hm, Mist, haben wir schon eine Kontaktadresse? Tja, ähm, Geduld war die Losung der Stunde, nicht?

Update: Immerhin ein bisschen hat sich getan. Ihr könnt uns nun unter Kontakt und/oder Kommentare Nachrichten zukommen lassen.

Vernetzungstreffen auf der BUKO

Vernetzungstreffen der postkolonial Initiativen auf der Bundeskoordination Internationalismus in Tübingen, vom 13. bis 16. Mai 2010.

Vernetzungstreffen auf der BUKO

Vernetzungstreffen der postkolonial Initiativen auf der Bundeskoordination Internationalismus in Tübingen, vom 13. bis 16. Mai 2010.

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